225 Jahre Papenburger Meyer Werft: Von Holzschiffen zu den Megalinern der Kreuzfahrt

Das Jahr 2020 ist ein ganz besonderes Jahr für die Werftfamilie Meyer aus dem emsländischen Papenburg. Ihre Werft feiert den 225 Geburtstag und ist bereits in siebter Generation erfolgreich. Dass in dem eher beschaulichen Städtchen einmal riesige Kreuzfahrtschiffe für renommierte Reedereien der Branche gebaut würden, konnte bei der Gründung als Holzschiffswerft am 28. Januar 1795 niemand ahnen. Heute pilgern regelmäßig Massen an Kreuzfahrtfans zum Werftgelände, um die Geburtsstunde eines neuen Kreuzfahrtschiffes live mitzuerleben.

Pioniergeist bringt Erfolg

Bereits 1872 bewies das Unternehmen Mut und Pioniergeist, als es als erste Werft in der Region mit dem Raddampfer „Triton“ ein Schiff aus Eisen fertigstellte. Eine goldrichtige Entscheidung. Die Erfolgsgeschichte ging weiter und 1913 entstand ein Schiff, um das sich bis heute viele Legenden gebildet haben und welches immer noch auf dem Meer unterwegs ist: Die „Graf Goetzen“. Heute trägt sie den Namen „Liemba“ und ist ein kombiniertes Fracht- und Passagierschiff.

In der Nachkriegszeit erschloss die Meyer Werft auch internationale Märkte. Eine langjährige Partnerschaft Ende der 50er Jahre mit Indonesien brachte viele Aufträge für Passagierschiffe. Weitere Auftraggeber fanden sich für Fähren von skandinavischen Reedereien und im Kalten Krieg wurden Gastanker für die damalige Sowjetunion ausgeliefert. Zudem begann der Bau der neuen Werft mit direkter Lage an der Ems.

In den 1980er Jahren beginnt die Kreuzfahrtschiff-Ära

Nach Tankern und Fähren läuft 1985 mit der „Homeric“ das erste Kreuzfahrtschiff vom Stapel. 1987 nahm die Meyer Werft das damals weltweit größte überdachte Baudock in Betrieb und baute weitere Kreuzfahrtschiffe unter anderem für Celebrity Cruises P&O Cruises und Star Cruises. Im Jahr 2000 begann der Bau einer zweiten überdachten Baudockhalle, die 2007 sogar noch verlängert wurde und heute das größte überdachte Baudock der Welt ist. AIDA Cruises ließ von 2005 bis 2013 sieben Schiffe ihrer Sphinx Klasse bauen. 2008 folgte ein weiterer Meilenstein. Mit dem Bau der „Clebrity Solstice“, die eine Vermessung von 122.000 BRZ vorzuweisen hat, überschritt die Werft erstmalig die Marke von 100.000 BRZ. Doch es ging noch größer: 2014 entstand im Emsland das erste Schiff der Quantum Klasse von Royal Caribbean International mit 167.000 BRZ. Auch die Fans von Disney kamen am Geländer der Meyer Werft schon auf ihre Kosten. Denn auch für die Disney Cruise Line wurden hier schon Schiffe gebaut.

Mit der „AIDAnova“ zu umweltbewussten Kreuzfahrten

Die Meyer Werft profitiert eindeutig vom Boom der Kreuzfahrtbranche. Doch in letzter Zeit wurden die kritischen Stimmen immer lauter. Im Zuge der Friday for Future Bewegung gelangen die Umweltsünden, die mit einer Kreuzfahrt einhergehen, immer mehr in den Fokus. Doch auch dafür ist das Unternehmen gerüstet und lieferte 2018 die „AIDAnova“ an AIDA Cruises ab. Sie ist weltweit das erste Kreuzfahrtschiff, das mit Flüssiggas betrieben wird. Weitere werden folgen. Die Auftragsbücher der Meyer Werft sind gut gefüllt. Kreuzfahrfans und Schiffsbegeisterte können sich weiterhin auf interessante Ausdock- und Überführungsmanöver im beschaulichen Papenburg freuen.

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