Bunker Atombunker Schutzbauwerk Unterirdische Anlagen Stollensysteme - Mein Interesse zu baulichen Unterwelten


unter der Erde


wie alles begann:

Schon als kleines Kind interessierte ich mich für Höhlen und alles, was sich im Untergrund verbarg. Die U-Bahn beeindruckte mich in der Weise, dass man sich dort frei bewegen konnte, unabhängig davon, wie ungemütlich das Wetter auch draußen tobte.
Bunkeranlagen, die wie ein Raumschiff eine autarge Lebenssphäre boten, waren ebenfalls interessant. Wie in meiner Biographie schon geschildert, verschlag es mich zum Militär und noch dazu in einen Atombunker, der damals als Führungsbunker der Landstreitkräfte im Kriegsfall dienen sollte. Alle meine Interessen kreuzten sich an diesem Punkt. Eine unterirdische Welt, die hermetisch abgeschlossen von der Außenwelt, wie ein kleines Raumschiff existieren konnte, elektrische Anlagen, die es zu pflegen galt und einwenig Neugier gegenüber Dingen, die damals als streng geheim eingestuft waren.

Es war im Herbst 1982, als ich meinen Dienst beim Militär antrat. Treffpunkt war der Bahnhofsvorplatz in Bad Freienwalde, einem kleinen verschlafenen Städtchen im Oderbruch zwischen Eberswalde und Frankfurt/Oder. Wir wurden dort mit LKWs abgeholt und fuhren eine kleine Ewigkeit hinaus aufs Land in eine Gegend, wo sich die "Füchse Gute Nacht sagen". Hinter einem kleinen Dorf namens Harnekop, bogen wir auf eine schmale Beton-Strasse ins Sperrgebiet ein und fuhren noch einige Kilometer durch dichten Wald, bis wir vor einem Kontrollpunkt am Außenzaun hielten. Danach ging es weiter durch den Wald, etwas bergab in ein kleines Tal, bis zu einem weiteren Kontrollpunkt, an dem ein Hochspannungszaun grenzte. Ich war etwas verblüfft, als ich sah, dass die Häuser auf dem Gelände komplett vom Sockel bis zum Dach, grün angestrichen waren, versehen mit dunklen Tarnflecken. Weiter im Inneren des Objekts gab es einen dritten Kontrollpunkt, ebenfalls mit Elektrozaun, wobei dort sogar die Straße mit Tarnanstrich versehen war.
Im Hintergrund konnte man einen flachen Hügel, einige Antennenmaste und kleine flache Baracken erkennen. Um die so genannte P-Zone zu betreten, erhielt man am Kontrollpunkt einen roten Dienststellenausweis. Was dort auf dem Gelände vor sich ging, war geheim und es rankten sich Gerüchte von einem Hubschrauberlandeplatz über eine Raketenbasis bis hin zu einer geheimen U-Bahn nach Straussberg. Das war natürlich alles nur Phantasie.
Meine Grundausbildung absolvierte ich für die nächsten Wochen in einer angrenzenden Baracke. Diese Zeit war zwar nicht angenehm, aber sicher besser zu ertragen, als in einer großen Linieneinheit. Als ich die Grundausbildung hinter mir hatte, wurde ich in der Abteilung Technik, untergebracht. Dann wurde ich von meinen zukünftigen Vorgesetzten "durchleuchtet". Man fragte mich über meine Kontakte zu Freunden und meine Familienverhältnisse aus. Ich wurde aktenkundig zur Geheimhaltung verpflichtet.

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der erste Tag im Bunker

Einige Wochen später erhielt ich endlich meinen roten Ausweis und durfte nun die P-Zone betreten. Es ging durch den Kontrollpunkt, die getarnte Betonstrasse entlang, bis ich vor einem zweistöckigen kleinen Neubau stand. Nach Anmeldung an der Tür ging es hinein, wobei dieser Häuserblock nur Tarnung war und aus ungenutzten Büros bestand.
Wir stiegen einige Treppen hinab und liefen dann, einen niedrigen Gang entlang. Die Gangbeleuchtung erinnerte an den Keller eines alten Mietshauses. Es roch etwas muffig, so ähnlich wie im Maschinenraum eines Schiffes. Der Gang war sehr kühl. Feuchte warme Luft schlug mir entgegen, sie kondensierte an den Wänden. Nach einigen Metern Fußmarsch verbreiterte sich der Tunnel zu einem Raum und war hell erleuchtet. Eine kleine Kamera war auf eine dicke tonnenschwere Tür mit Kurbel gerichtet, die offen stand. Dahinter war eine Gittertür.
Wir meldeten uns an der WL (Wechselsprechanlage). Es summte und die Gittertür öffnete sich. Es folgte ein breiter Gang. Wir legten an der Wand unsere Garderobe ab und gingen rechts durch eine offene dicke Tür, gefolgt von einem abgedeckten Kranschacht und weiteren Gasschutztüren. Die Luft war stickig und es roch stark nach Diesel. Nach einem kurzen Flur mit einer verwirrenden Zahl von Türen, ging es eine schmale Treppe hinab vom ersten Untergeschoss bis ins dritte UG. Ich fand mich dann im Kontrollraum, den so genannten Dispatcherraum, wieder. Mir wurde erklärt, in welcher Weise hier alle Fäden des Bunkers zusammenlaufen, wie die Luft aufgearbeitet wird, wie die Wasserversorgung funktioniert, Stromversorgung, Netzersatz, Kernstrahlungsüberwachung, Personenschleusung, Brandüberwachung, Alarmauslösung und so weiter.

Ich war erst mal überwältigt von der Fülle an technischen Details und brachte Monate zu, alles im Einzelnen kennen zulernen. Wochenlang brütete ich über Aktenordner und machte mich mit den Schaltplänen der E-Anlagen vertraut. Der Bunker bestand aus drei Stockwerken mit meterdicken Außenwänden, die ihn innen in drei Brandabschnitte aufteilten. Diese konnten durch gasdichte Türen untereinander hermetisch verschlossen werden und waren mit einer verwirrenden Zahl von kleinen Räumen und Fluren ausgebaut.

Netzersatzanlage und Schleusentrakt waren separat hermetisierbar. Der übrige Bunker musste gegenüber der Schleuse und der Netzersatzanlage bei Hermetisierung einen Überdruck halten.
In Deckennähe waren Lüftungskanäle, Kabelpritschen und Rohrleitungen installiert. Alle wichtigen Betriebsräume hatten Fußböden, die auf dicken Schraubenfedern gelagert waren. (um vor seismischen Wellen bei Atomschlägen zu schützen)

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Das erste Untergeschoss

Die Bunkerzugänge waren der Schleusentrakt (der Bunkereingang im Gefechtsfall) und der Montageeingang (Bunkereingang im Normalfall).
Diese waren über den Eingangstunnel zugängig, der über drei separate Eingangstreppen begehbar war. (Eine davon mündete in das Treppenhaus des zweistöckigen Stabsgebäudes. Dieser Eingangstunnel sollte eine mögliche atomare Druckwelle an den Bunkertüren vorbeileiten, um diese zu entlasten.
Zwischen Eingangstunnel und Bunker befanden sich die Massekühler (dicke Betongebilde, durch die die Frischluft für die Notstrom-Dieselaggregate geleitet wurde. Sie schützten die Technik vor den Hochofentemperaturen, die bei einem Kernschlag wüten würden.

Frischluft und Abluft wurde in Luftschächte geleitet, die über dem Bunker in mehrere Rohre mündeten, die von zwei Baracken als Lagerräume getarnt waren. Das Abgas der Notstromaggregate entwich, mehrere Meter entfernt neben der Bunkeranlage, aus einer kleinen Baracke mit Schornstein.
Eine nahende Druckwelle wurde von vier Sensoren erkannt, die außen um den Bunker angeordnet waren. Durch sie wurden Zu- und Abluftschächte mit Hilfe von lamellenartigen Klappen schlagartig verriegelt. Spezielle pneumatisch betriebene Klappen schützten zusätzlich vor der nachfolgenden Sogwelle.

In der Nähe des Schleuseneingangs war der bunkereigene Trinkwasserbrunnen über eine Luke im Fußboden zugängig. Des Weiteren existierten noch drei Tiefbrunnen im entfernten Gelände.

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Die Lüftung

funktionierte in verschiedenen Betriebsweisen:

Betriebsweise 1:
Die per Lüfter angesaugte Frischluft wurde zuerst durch einen Rollbandfilter gesaugt (Eine auf Rollen gewickelte Filtermatte), um Staub und Insekten fernzuhalten. Das war die normale Betriebsweise mit nachfolgendem Umluftbetrieb der Bunkerluft.
Der Abluftbetrieb erfolgte über den Sanitärbereich, Küche, Batterieraum, Dieselanlage, Tankanlage. Der Schleusentrakt besaß eine separate Abluft.

Betriebsweise 1W:
Die Wartungsbetriebsweise. Ein einziger kleiner Lüfter förderte Frischluft, alle anderen Lüfter waren abgeschaltet. Der Montageeingang musste für die Abluft geöffnet bleiben.

Betriebsweise 2:
Die Frischluft wurde über chemische Filter geleitet. Das waren Filterkolonnen, ähnlich der Filter einer Gasmaske.
nachfolgend Umluft

Betriebsweise 3:
Die Frischluft wurde zuerst durch radiologische Filter geleitet (das war nichts weiter als Eisenpulver). Es folgten die chemischen Filter. Danach wurde die Luft biologisch gereinigt, indem sie auf 250 Grad erhitzt und danach wieder gekühlt wurde, mit der ADGL (Anlage der garantierten Luftreinhaltung).
nachfolgend Umluft

Betriebsweise Ü:
Übergangsbetriebsweise. Zu- und Abluftwege hermetisch dicht (ausschließlich Umluftbetrieb). Diese Betriebsweise wurde auch gewählt, wenn man keine Außenluft ziehen durfte. Die Überdruckhaltung des Bunkers erfolgte dann mit Pressluft (Druckluftvorrat aus großen Druckbehältern, 150 bar über Druckminderer) Zwei große Kolbenverdichter standen bereit, um den Druckluftvorrat wieder aufzufüllen. Eine separate Umluftanlage kühlte die Netzersatzanlage bei Notstrombetrieb. Die Netzersatzanlage galt als konterminierte Raumgruppe und durfte im Ernstfall nur über eine Schleuse mit Schutzanzug betreten werden.
Die übrige Bunkerluft wurde über zwei Klimablöcke aufgearbeitet, die ebenfalls nur kühlten. Die Temperaturen pegelten sich im Lüftungsbetrieb bei 22 bis 24 Grad ein. Ohne Lüftung stieg die Temperatur schnell bis über 30 Grad an. Für den Notfall waren "RDU-Geräte" vorgesehen. Sie konnten mittels chemischer Reaktion das CO2 in Sauerstoff rückverwandeln, sie wären jedoch extrem heiß geworden.

Das waren die technischen Anlagen im 1.UG. Den größeren Teil bildete der Ministertrakt.

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der Ministertrakt

Hier hätten im Ernstfall die Generäle des operativen Stabs der Landstreitkräfte ihren Dienst versehen. Dieser war in zwei hermetisierbare Bereiche aufgeteilt. Zahlreiche kleinere Arbeitsräume grenzten an mehrere Flure, die untereinander durch Türen verbunden waren. Ein großer Lageraum für Konferenzen mit zahlreichen Monitoren und zwei Fernsehkameras und die Räume des Verteidigungsministers inklusive seinem Privatzimmer waren in unmittelbarer Nähe der Notschleuse gelegen, die zum Notausstieg führte.
Ebenfalls vorhanden, der medizinische Bereich mit einem kleinen OP-Raum und der Sanitärtrakt. Alle Arbeitsräume waren mit Computerterminals des hauseigenen Rechenzentrums ausgestattet und untereinander per Video-Konferenztechnik vernetzt. Ein weiteres Treppenhaus verband den Ministertrakt im 1.UG mit den Speiseräumen im 2.UG und dem Nachrichtenbereich im 3.UG.

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Der Schleusentrakt

war wie weiter oben beschrieben, ein autarger Bereich, der vom übrigen Bunker hermetisch getrennt war. Durch eine schmale kleine Drucktür betrat man die Schleuse und konnte in einem Vorraum Ausrüstungsgegenstände ablegen. Nach Aufforderung, betrat man durch eine Gasschutztür den ersten großen Stauraum. Das war ein Warteraum zur Weiterschleusung. Es ging weiter durch die zweite Drucktür und die zweite Gasschutztür in den Dosimetristenraum.

Dosimetristenraum Blick in Richtung Übergang zum 1.grossen Stauraum (links im Bild die Pneumatiksteuerung der Druck-Schutzklappen)
Dort wurde man vom Schleusenpersonal in Schutzkleidung, nach Kontaminierung untersucht. Im Normalfall wurde man durch drei weitere Gasschutztüren in den Bunker geschleust. War man kontaminiert, so erhielt man eine chemische Dusche. Danach legte man in einem weiteren Raum die Schutzkleidung ab und nach einer weiteren Schleuse die Gasmaske. Es folgte die Hygienedusche und danach wäre man vom Bauwerksarzt begutachtet worden. Es existierten auch zwei Quarantäneräume, die für hoffnungslose Fälle gedacht waren. Etwas makaber: Leichensäcke und Chlorkalk waren auch eingelagert.
Nach drei weiteren Schleusentüren war man endlich im Bunker, bekleidet mit einem Trainingsanzug.
Der Schleusenkommandant hatte einen eigenen Kontrollraum, mit Fenstern, um Sichtkontakt zur zu schleusenden Person zu haben. Er und der Dispatcher, waren dem Bauwerkskommandant unterstellt, der ebenfalls einen eigenen Kontrollraum besaß.

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Das zweite Untergeschoss

Ein Gang verzweigt sich einmal zur Klimatechnik. Dort befand sich rechts eine kleine Schlosserwerkstatt und geradezu geht es zu den Klimablöcken. Dort wurde die Umluft gefiltert, gekühlt und befeuchtet. Nebenan sind die Umlüfter-Räume, bestehend aus zweimal je zwei in Reihe geschalteten großen Lüftern. Diese wurden im Direktanlauf gestartet und man bekam einen gehörigen Schreck, wenn man daneben stand und die Dinger aufheulten.
Zur anderen Seite vom Treppenhaus kam man zu einem Flur, der links zu den Schlafräumen führte. Es waren zahlreiche Schlafräume vorhanden, die dicht bei dicht mit dreistöckigen Betten gefüllt waren. Wer oben geschlafen hat, konnte sich böse den Kopf an der Betondecke stoßen.
Der Flur zur linken Seite mündete, am Sanitärbereich vorbei, in den Küchentrakt. Geradezu ging es zu einem geräumigen Küchenlager, in dem auch eine Kühlzelle montiert war, die an Federn gelagert war. Nebenan war die Küche in zwei Räumen untergebracht, ausgestattet mit großen Elektroherden, einer starken Küchenumluft mit Geruchsfiltern und Kühlung.
Es gab zwei Durchreichen zu den Speiseräumen. Daneben schloss sich das zweite Treppenhaus an, das die Verbindung zum Ministertrakt oben und zur Nachrichtenzentrale unten, herstellte. Eine kleine Funkwerkstatt, das Nachrichtenlager und ein Videostudio schlossen sich an. Der Rest waren Schlafräume.

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Das dritte Untergeschoss

Eine Treppe tiefer teilte sich der Gang auf, in Richtung Dispatcherraum, Batterieraum und NSHV (Niederspannungshauptverteilung). Im Batterieraum befand sich eine Netzsofortersatzanlage. Sie bestand aus einem Motor-Generator-Satz, der durch eine Batteriekolonne angetrieben wurde und 220V Wechselstrom erzeugte. Die Batterien für Notbeleuchtung (220V) Steuerspannung (24V) und OP-Raum (12V) befanden sich ebenfalls dort. Der Batterieraum hatte eine separate Abluft. In ihm war es stickig. Es roch nach Batteriesäure bei über 30 Grad Hitze. Wenn man dort gearbeitet hat, dann konnte man seinen Arbeitskittel bald wegwerfen, da die Säure den Stoff zerfraß.
Die NSHV bestand aus einem Raum, in dem zahlreiche Schaltschränke über Federn an der Decke befestigt waren. Unter dem Fußboden lagen bündelweise dicke Starkstromkabel. Hier waren die Leistungsschalter der gesamten Stromversorgung untergebracht. Der Hochspannungstrafo der Netzeinspeisung war hinter einer Gittertür eingebaut.

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Rein technisch gesehen, gibt es sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Bunker Garzau, der sich noch in einem einwandfreien Zustand befindet. Dort sind Notstromdiesel und deren Startanlage noch vorhanden. Die Druckluftanlage ist ebenfalls zu sehen, wobei das Rechenzentrum (das Herz dieses Bunkers!) sterben musste.



Im Dispatcherraum

herrschten angenehme Temperaturen, dank einer Klimatruhe, die ununterbrochen lief. Die große Bauwerkslüftung wurde aus Kostengründen nur zu bestimmten Zeiten eingeschaltet. Wurde eine Übung gefahren, dann waren allerdings alle Anlagen ständig in Betrieb.

Dispatcherraum (Blick von der Tür aus) Die ADS fehlt leider, die Notstromdiesel wurden ebenfalls abgebaut :-(

Die rechte Wand war vollkommen mit Schaltschränken ausgekleidet, Behälterfüllstände, Schiebersteuerung, Flurlicht, Brandschutzklappen, Schnellschlussklappen, Filteranlage, Umluft, Abluft. Darüber waren drei Monitore befestigt, auf denen man die beiden Bunkereingänge erkennen konnte. Das dritte Gerät diente als Fernseher. Ein Radio gab es auch, das aber nur auf Langewelle funktionierte (mit einem Draht als Antenne am Schutzkontakt der Steckdose). Nicht zu vergessen, die Kaffeemaschine und der Kühlschrank auf dem Flur.
Rechts neben der Eingangstür stand ein Messschrank für die Klimadaten, Differenzdrücke und CO2-Gehalt aller wichtigen Raumgruppen. Daneben stand das "System DAU", ein russisches Kernstrahlungswarngerät, das "aus einem Stück gefeilt" zu sein schien.
Links von der Tür, über der Klimatruhe war das Alarmtableau installiert, zur Auslösung von Gefechtsalarm. An der hinteren Wand standen die Steuerschränke für die Netzersatzanlage, Dieselumluft und Massekühlersteuerung. Darüber war die ADS (automatische Dieselstarteinrichtung) installiert. Das waren vier Geräte, für die vier Dieselmotoren. Sie funktionierten pneumatisch und zischten immer leise vor sich hin. Das Startprogramm war auf einem Lochstreifen abgelegt und wurde pneumatisch gelesen.
Davor stand im Raum ein Schaltpult, auf dem man die Generatoren bedienen konnte. Drei Generatoren versorgten drei Blöcke, wobei der vierte Generator Reservefunktion hatte. Der Netz-Synchronbetrieb und die Rückspeisung in die gesamte äußere Dienststelle wurde von hier gesteuert. Der Bunker konnte im Havariefall ebenfalls die gesamte Dienststelle mit Trinkwasser versorgen.

In der Mitte des Raums standen drei Steuerpulte. Am oberen Rand der Pulte befanden sich die Signallampen für die Steuer- und Meldespannungen. Das Linke Pult diente der Entriegelung aller Schleusentüren (Steuerung wahlweise umschaltbar zwischen Dispatcher und Schleusenkommandant), des Haupteingangs und des Notausstiegs.
In der Mitte standen mehrere Telefone und Wechselsprechanlagen, ebenfalls die Überwachung aller Außenluken (Zugangsschächte für Wasser, Strom, Nachrichtenkabel, Schieber oder Brunnen). Alle oft benutzten entriegelbaren Zugangstüren konnten bequem von hier bedient werden.
Das rechte Pult diente der Überwachung der Klimaanlagen, Brandabschnitte und der Halon-Löschanlage und enthielt die Sprechstelle für die ELA (Bauwerks-Lautsprechanlage). Daneben war ein großer robuster Kranschalter installiert. Mit einem Schaltknüppel konnte man die Lüftungsfahrweisen steuern. Der Bauwerkskommandant, der im E-Fall seinen Platz in einem kleinen Raum neben dem Schleusentrakt hätte, wies dem Dispatcher die Lüftungsfahrweisen an, ähnlich dem Maschinentelegraph eines Schiffes. Beschriftete Kontrollfelder am oberen Rand des Zuluft-Schaltschranks dienten der Regime-Anzeige der Lüftung.
Vor den Pulten standen bequeme Drehsessel. Hinter ihnen befand sich eine Kartenwand, auf der taktisch-technische Daten und alle Grundrisse des Bunkers abgebildet waren.
Rechts in der Ecke stand die Brandmeldezentrale zur Auswertung aller Rauch- und Feuermelder. Eine Tür verband den Dispatcherraum mit dem Zentralverteiler. In den Schaltschränken waren die Sicherungen und Schütze untergebracht, für die gesamte Elektrik von der Flurbeleuchtung bis hin zu den Lüftern, Luftklappen, Schiebern und Pumpen. Links in der Ecke stand der Analysenschrank für die CO2-Messung.
Nun wieder zurück auf den Flur. Vom Treppenhaus aus rechts, ging es um die Ecke, einen langen Gang entlang. Am Ende des Ganges, konnte man rechts zum Wasserwerk gelangen.

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zum Wasserwerk

Dort war es immer angenehm kühl. Geradezu standen die Druckkessel für Trink- und Brauchwasser. Rechts davon standen die Pumpen, umgeben von den großen Filterkesseln, einem kleinen Kompressor und einer Chlor-Dosieranlage. Im Hintergrund war ein schmaler Gang mit Leiter. Dieser ragte vom 3.UG bis zum 2.UG hinauf. Die Wände waren kalt und voller Schwitzwasser. Es waren die Wände der Vorratsbehälter für Brauch- und Trinkwasser, aus denen die Pumpen den Bunker mit Trinkwasser und Kühlwasser versorgten. Das Brunnenwasser hatte eine Temperatur von 8 bis 10 Grad.
Das zurückfließende Kühlwasser wurde über einen Zwischenbehälter im 2.UG geleitet. Dort waren auch alle Vor- und Rücklaufsammler installiert. Aus dem auf Federn gelagerten Zwischenbehälter wurde das Kühlwasser für die Dieselaggregate gezogen. Neben dem Behälter standen die Dieselkühl-Pumpen. Über einen Regelschieber per Füllstandssonden wurde frisches Kühlwasser in den Behälter nachgefüllt, wenn der Behälterstand zu sehr sank.
Das verbrauchte Kühlwasser wurde aus dem Bunker hinausgepumpt und im angrenzenden Wald in einem Schluckbrunnen wieder versickert. Neben dem Wasserwerk befand sich ein Raum, in dem sich der Abwassertank befand, der natürlich geruchsdicht verschlossen war. Das Abwasser wurde von dort zu den Rieselfeldern der Dienststelle gepumpt. Links vom Flur ging es zum Rechenzentrum.

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zum Rechenzentrum

Es unterteilte sich grob in Speicherraum und Rechnerraum. Einige Nebenräume gehörten auch dazu, die ich jedoch damals nie von innen sehen durfte. Zwei separate Klimaanlagen sorgten für konstante 19 Grad. Fiel ein Kälteaggregat aus, dann brach Panik aus, denn die Temperaturen stiegen dann sehr schnell an. Das Rechenzentrum wurde ausschließlich mit reiner Frischluft versorgt. Spaßeshalber war der Klimaanlagenraum einmal mit Tageslichtweiß-Leuchtstofflampen beleuchtet. Man hatte den Eindruck, im Freien zu stehen, wenn man den Raum betrat und frische Luft zum atmen hatte.
Gegenüber diesen Räumlichkeiten befand sich die E-Werkstatt. Das war ein kleiner Raum, in dem nur ein Tisch, eine Werkbank, ein paar Stühle und eine Prüftafel platz fanden. Daneben befand sich der Durchgang zur Netzersatzanlage.

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zur Netzersatzanlage

beginnend mit dem Kranschacht, der bis ins 1.UG reichte. Ein zweiter Kranschacht befand sich außerhalb des Bunkers, am Zugangstunnel. Er war überdeckt von einer Montagehalle, die neben dem Stabsgebäude stand.
Die Dieselaggregate waren auf gefederten Plattformen montiert. Verbrennungsluft und Abgas wurden über Faltrohre zugeführt. Kühlwasser und Kraftstoff über Schlauchbrücken. Ein kleiner Nebenraum beherbergte die Dieseltankanlage. Das waren mehrere Stahlkessel im 3. und 2. UG, die im Beton eingegossen waren. Nur ihre Deckel waren sichtbar. Sie wurden von außerhalb des Bunkers per Tankwagen befüllt.
Über eine Leiter konnte man von unten ins 2.UG klettern, in dem die Dieselumluft installiert war. Sie verbreitete ohrenbetäubenden Lärm, wenn sie lief. Das war jedoch nichts im Vergleich zu den Dieselaggregaten. Bei Vollast spürte man das Hämmern der Kolben im Brustkorb und das Pfeifen der Turbolader sprengte die Schmerzgrenze.
Stieg man die Leiter höher, so landete man im 1.UG, in einem schmalen Gang, der an einer Gastür zum Dosimetristenraum der Schleuse endete. Über Luken hatte man von dort Zugang zum Luftfilter-Raum des Schleusentrakts und den Druckschutzklappen von Abgas/Verbrennungsluft der Dieselmotoren.
Zurück ins 3.UG. Gegenüber der Netzersatzanlage änderte sich die Welt schlagartig. Dort war der Funkraum der Nachrichtenzentrale, wobei diese Tür stets geschlossen gehalten wurde.

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Nachrichtenzentrale

Die Luft in der Nachrichtenzentrale war erfüllt vom Geruch der meterdicken Kabelbunde, die unter dem Fußboden verlegt waren, vermischt mit Platinengeruch der Mikroelektronik. Da es in diesen Abteilungen teilweise über 30 Grad warm war, so lief man hier oft in Unterhemd und Badelatschen herum.
Von der zweiten Treppe neben dem Speiseraum, konnte man hinunter zum DN (Diensthabender Nachrichtenzentrale) gelangen. Dort musste man sich an- und abmelden. Betrat man das Reich der Funker, so fand man links den Fernschreibraum vor. Rechts das Dienstzimmer des DNZ und daneben befand sich die Dechiffrierabteilung, die natürlich top secret war. Wer dort hinein musste, hatte zu warten, bis bestimmte Geräte verpackt oder mit Tüchern verdeckt wurden. Den Gang geradeaus ging es zur ATZ (automatische Telefonzentrale) und zur ÜT (Übertragungstechnik) Es schloss sich der Kabelraum an, in dem alle abgehenden Nachrichtenkabel verseilt waren. Die vom Bunker abgehenden Nachrichtenkabel wurden mit Pressluft gefüllt und auf Beschädigung überwacht.

Übrigens wurde mir berichtet, dass die meißten Funksprüche, Datenschrott zur Tarnung waren. Man konnte somit wichtige Nachrichten nur schwer von Datenmüll unterscheiden. Bei Spionageverdacht wurde nur noch Datenschrott gesendet und die wichtigen Telegramme wurden über andere Dienststellen geleitet.
Durch eine Seitentür gab es noch eine Verbindung zur Rechenzentrale.
Eine bunkerinterne Rohrpostanlage , die den Ministertrakt und den Bereich Nachrichten verband, war auch vorhanden.
Zur anderen Seite des Ganges fand man links die Vermittlung vor, besetzt mit einem Mann und rechts gegenüber, die 60V-Stromversorgung, die eigenständig eine Batteriestützung besaß. Daneben der Funkraum, der das Flair eines Rundfunksenders hatte.


Funkraum

Das war ein kleiner Rundgang in Gedanken durch meinen alten Arbeitsplatz. Wer mir nicht folgen konnte, dem bitte ich das zu entschuldigen und wer es konnte, dem empfehle ich eine Bunkerbesichtigung.

Hinter gewisse Geheimnisse zu blicken, war schon eine Herausforderung, wobei mir vieles, was nicht mit meiner eigentlichen Tätigkeit verbunden war, verborgen blieb. Von anderen Dienststellen mit ähnlicher Geheimnisstufe, erfuhr ich nur gerüchteweise. Das Zusammenspiel aller Dienststellen in globaler Form, blieb streng geheim. Man durfte nur genau das wissen, was als notwendig erachtet wurde. Nach dem Zusammenbruch des DDR-Regimes wurden viele, damals streng geheime Bunker offen gelegt, und zwar in einer Form, die es andere Länder nie zugelassen hätten. Es entstanden Webseiten, die sich mit dieser Thematik befassten. Ich studierte die Foren, die gegründet wurden und konnte mir so ein besseres Bild von der damaligen Zeit machen. Anschließend zu diesem Thema möchte ich auf einige Links verweisen, die ich als sehenswert erachte, für Jeden, der sich mit den geheimsten Anlagen eines verstorbenen Staatssystems auseinandersetzen möchte.
Es ist sehr schade, dass sehr viele Objekte durch Vandalismus zerstört, geplündert oder von Bauschutt-Firmen geschreddert worden sind. Nur sehr Wenige sind in privater Hand oder haben es bis zum Baudenkmal geschafft, sodass sie der Nachwelt erhalten bleiben.

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